Torgau würde sich selbst ehren!
Das Ehrenmal für den einstigen Festungskommandanten Julius von Koethen – heute in
einem bedauernswerten Zustand
Im Rahmen der Vorbereitungen zur Sächsischen Landesgartenschau in Torgau 2022 richtet sich die Aufmerksamkeit der dafür Verantwortlichen auch auf einige auf dem LAGA-Gelände befindliche Denkmäler.
Da begegnen uns auf dem Weg zum Bahnhof, im Glacis, links, am Ende des russischen Friedhofs Reste eines Denkmals. Wir sehen, die Ecken der Denkmalanlage sind durch kurze wuchtige Säulenstümpfe mit darauf gesetzten sandsteinernen Kanonenkugeln markiert. Schmiedeeiserne Ketten verbanden einst die Säulen. Im Innenbereich geben die angehäuften Natursteine ein bizarres Bild wieder.
Julius von Koethen nach 1870/71, Kommandant der Festung Torgau
Foto: Landesarchiv Baden-Württemberg
Die Reste dieses Denkmals entstammen dem einstigen Ehrenmal für den Generalmajor Julius von Koethen (1815-1899), der von 1871 bis 1881 der Festungskommandant von Torgau war.
Mit dem in der Torgauer Zeitung vom 24.12.2004 von Hans Joachim Kadatz veröffentlichten informativen Artikel zu diesem von Koethen-Denkmal wurde der früheren Bürgermeisterin empfohlen, das Denkmal zu erhalten. Damals erfolgte, wie uns mitgeteilt wurde, keine Reaktion.
Wir vom Förderverein Europa Begegnungen e.V. stellen uns auf die Seite der Empfehlung und möchten den Denkmal-Erhalt nach Kräften unterstützen.
Mit der LAGA sind die Chancen für eine Restaurierung der auf dem Gelände der Gartenschau stehenden militärischen Ehrendenkmäler gestiegen. Realisierungsvorhaben gibt es bereits für den Granitstein zur Erinnerung an den Königlich-Preußischen Oberst von Wolffersdorff für seine Verdienste im Siebenjährigen Krieg, speziell für dessen tapfere Verteidigung Torgaus. Eine Restaurierung ist des Weiteren vorgesehen für das Denkmal der während des I. Weltkriegs gefallenen Artilleristen der Torgauer Garnison. Es steht am Fuß des russischen Friedhofs im Glacis.
Lassen Sie uns auch das Ehrenmal für Julius von Koethen in den Blick nehmen!
Unser Antrag auf Erhalt, den wir hiermit an die jetzige OB Romina Barth richten, sei wie folgt begründet:
Die Julius von Koethen Gedenkstätte sollte durch die Stadtverwaltung bedacht werden.
Von der Kulturabteilung ist zu erfahren, dass eine Informations-Schrifttafel als Erinnerungselement an Generalmajor Julius von Koethen bei den Resten des Ehrenmals aufgestellt werden soll. Wie soll das aussehen? Das ist zu wenig!
Ja, richtig ist, dass Findeisen und Magirius, in: Die Denkmäler der Stadt Torgau, das Koethen-Denkmal nicht mit aufgenommen hatten. Wie sollten sie aber auch? Bei deren Inspektionen in Torgau war ja von dem besagten Denkmal nur noch ein Restbestand vorhanden. Späteren Denkmalexperten ging es ebenso.
Meine Vermutung geht in die Richtung, dass ähnlich wie mit dem Denkmal „Friedrich der Große“, auch der Von Koethen-Gedenkstein mit der Inschriftentafel umgestoßen und beseitigt worden war. So konnte natürlich nach 1945 auch kein Foto von der gesamten „Gedenkstätte von Koethen“ angefertigt werden.
Die von Koethen Gedenkstätte schuf seiner Zeit der verdienstvolle Torgauer Bildhauer Friedrich Conrad (1844 - 1904). Der war hinreichend Künstler und Handwerker. Und er war Torgauer.
Wir meinen, dass der Festungskommandant Julius von Koethen ein starkes Erinnern verdient. Er war ein Leistungsträger im damaligen zivilen wie im militärischen Leben der Stadt. Ihm war am 19. Dezember 1879 die Ehrenbürgerschaft der Stadt Torgau verliehen worden.
Ein bloßes Hinweisschild - Hier stand ein Denkmal - das geht gar nicht.
Wir müssen über eine einfache Infotafel hinausgreifen. Die LAGA kann durch ein Von Koethen-Denkmal bereichert werden. Die Gartenschau eignet sich nun gar nicht dafür, ein Ehrenmal bis zur touristischen Impulslosigkeit zu degradieren.
Die Reste des Von Koethen-Denkmals im Glacis heute
Foto: TZ 17. Dezember 2004
Was ist an der Persönlichkeit, wie sie Julius von Koethen eindeutig darstellt, wesentlich und somit aufbewahrenswert?
Julius von Koethen ist für uns momentan weniger auf Grund seines militärischen Führungstalents im Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 interessant, etwa, dass er sich mit der Erstürmung des Geisberges am 4. August 1870 den Ehrennamen der „Held von Weißenburg“ erwarb, oder er bei der „Weitfeuerschlacht am Fort Mont Valérien“ vor Paris, 21. Oktober 1870, bestimmend beteiligt hatte. Auch die allerhöchsten Auszeichnungen, die
von Koethen einst erhielt, siehe die Porträt-Abbildung mit der Benennung der Orden, waren eher weniger Grund für seine Gedenkstätte im Torgauer Glacis.
Dass wir dennoch die Namen der Orden hier mit aufschreiben, hat etwas mit der uns anhaftenden wissenschaftlichen Neugier zu tun, nämlich Unbekanntes der Bürgerschaft bekannt zu machen.
Julius von Koethen, 1881, gegen Ende seiner Militärlaufbahn. Die Benennung seiner Orden.
1 = Preußischer Roter Adler-Orden 2. Klasse mit Eichenlaub
2 = Preußischer Königlicher Kronenorden 2. Klasse mit Schwertern am Ring
3 = Eisernes Kreuz 2. Klasse 1870
3 = Preußischer Kronenorden 3. Klasse mit Schwertern
3 = Kronenorden 4. Klasse
3 = Kriegsdenkmünze 1864
3 = Kriegserinnerungskreuz 1866
3 = Kriegsdenkmünze 1870/71
4 = Johanniter Rechtsritterorden
5 = Stern zur 2. Klasse des preußischen Roten Adler-Ordens mit Schwertern
6 = Bayern, Militär-Verdienstorden 2. Klasse
7 = Eisernes Kreuz 1. Klasse 1870
8 = Johanniter Professkreuz
Die Frau des Urenkels von Julius von Koethen, Georg Friedrich von Wilamowitz-Moellendorff, Barbara, hat uns das Foto zur Verfügung gestellt. Die Mutter von Georg Friedrich, Bettina, hatte einmal alle Orden des Julius von Koethen benannt.
Wichtig für uns heute ist, dass mit Julius von Koethen eine Person vor uns steht, ein Militär, der ein Interesse und ein offenes Ohr für die bürgerschaftlichen Bedürfnisse in der damals beengten Festungsstadt Torgau mit seinen ca. 10.000 Einwohnern hatte.
So war mit Generalmajor von Koethen das glückliche Zustandekommen eines neuen Wasserwerkes verbunden.
Er war ein Förderer von Kunst, Kultur und Wissenschaft. Er unterstütze den Torgauer Gymnasial-Chor besonders bei Kunstleistungen mit Seltenheitswert.
In der Zeitschrift für Musik vom 12. März 1875 ist über eine Torgau-Gymnasiale Aufführung des griechisch-nationalen Dramas „Oedipus aus Kolonos“ von Sophokles mit der Musik von Heinrich Bellermann zu lesen. Diese erfolgte im Rathaus unter der Leitung von Dr. Otto Taubert. Er war der Musiklehrer des damaligen Gymnasiums.
Foto: Repro Förderverein Europa Begegnungen e.V.
Wir lesen in der genannten Musik-Zeitschrift bezüglich der Aufführung:
„Das Gymnasium war selbstverständlich durch seine Lehrer und Schüler vollständig repräsentiert; aber auch der Rat der Stadt und das der Festung zeitweilig angehörige Offizierskorps waren reichlich vertreten, an der Spitze des letzteren der kunstsinnige Kommandant Julius von Koethen.“
Des Weiteren ist im Zusammenhang mit Julius von Koethen und seinem Torgauer Ehrenmal wichtig, Folgendes genannt zu werden.
Und dabei kommen wir jetzt zu dem o.g. Gedenkstein für Julius von Koethen im Torgauer Glacis. Der Anlass für die Errichtung desselbigen (Einweihung 1893) war die Erfüllung der Bitte des Reitervereins, einen Reitweg durch das gesamte Glacis führen zu lassen.
Julius von Koethen war Kommandant der preußischen Festung Torgau, der aber offensichtlich schon während der strengen Beauflagung für die Befestigung der Stadt begann, in das Glacis, welches ja ein bedeutsames Verteidigungselement vor dem Hauptwallgraben war, einen Reitweg zur sportlich-kulturellen Betätigung anzulegen. Und das als Chef der ihm anvertrauten Festung, einem Verteidigungsblock, der in seiner Struktur und in seinem Funktionieren als Ganzes grundsätzlich als unantastbar galt.
Sehr bedenklich, was von Koethen damals tat, eigentlich unerhört.
Nun, von Koethen hatte die Reitweg-Verwirklichung, den Wunsch der Reiter ziemlich intelligent verwirklicht. Der heute noch sichtbare Reitweg durch das Glacis, von der Elbe wieder bis zur Elbe, verläuft genau am unteren Rand des Glacis, am Glacisfuß. Der Reitweg war zugleich auch der Rand, der sich folgend an das Glacis anschließenden Inundationsbecken. Das war ein weiteres Element der Festung Torgau. Der Reitweg war aus der Sicht der Festungsteile „Glacis“ und „Inundation“ etwas Randgelegenes. Er füllte quasi das Dazwischen aus.
Der Reitweg war die erste „Verschönerung“ Torgaus noch während der Festungszeit. Hans-Joachim Kadatz hatte in seinem (o.g.) Artikel bereits darauf verwiesen.
Nach der Schleifung der Festung Torgau, nach 1890, wirkte der neu gegründete Verschönerungsverein, welcher von Koethens, erste „Aufweichung der Festung zum Schönen“ dann im großen Stil besorgte, nämlich das militärische Glacis in einen Landschaftspark umzugestalten. Der Name „Glacis“ ist bis heute geblieben.
Halten wir fest: Der Torgauer Reiterverein ehrte mit der Errichtung des von Koethen-Denkmals, dessen Reste, wie gesagt, heute noch vorhanden sind, den einstigen Festungskommandanten für sein (auch) ziviles Engagement, im Besonderen war das Anlegen des Reitweges im Glacis noch zu Festungszeiten Anlass für das Denkmal.
Der Text auf der Ehrentafel des Denkmals liegt uns vor:
„Dem Förderer wahren Reitergeistes
und Schöpfer des Reitweges
Herrn General-Major
von Koethen
Ehrenbürger Torgaus
in Dankbarkeit gewidmet vom Offizier-Reiterverein
am 3. Nov. 1893.“
Das alles über den Festungskommandanten Julius von Koethen Gesagte sollte Grund genug sein, dem Erhalt seines Denkmals im Glacis zuzustimmen. Torgau würde sich damit selbst ehren.
Das Von Koethen-Denkmal (Montage). Hatte die Schrifttafel auf dem Hauptstein ein solches Aussehen?
Aufruf
Um das Ehrenmal für den Festungskommandanten Julius von Koethen zu erstellen, benötigen wir unbedingt eine Abbildung von der Ehrenstätte.
Sollten wir wirklich daran scheitern, dass in Torgau nichts Abgebildetes, keine mitteilbaren Erinnerungen an das Denkmal mehr vorhanden sind?
Gibt es eventuell in den Familien noch alte Fotos (von vor 1945), auf dem zu verabschiedende Zugreisende unweit des Denkmals aufgenommen wurden? Das Denkmal ist darauf vielleicht auch mit zu sehen.
Einige Torgauer müssten sich doch noch an das Aussehen der Stätte erinnern, vor allem dann, wenn wie hier im Text Fotos der Denkmalreste vorgestellt wurden.
Erinnern Sie sich und geben Sie uns bitte eine Beschreibung des Denkmals.
Rufen Sie uns doch an, auch kleine Hinweise helfen.
Dr. Niedersen, Förderverein Europa Begegnungen e.V. 03421 715647, Büro: Schlossstraße 19, oder E-Mail: ostwest@online.de
Danke für Ihre Mühe!
Dr. habil. Uwe Niedersen
Vorstand Förderverein Europa Begegnungen e.V.